Dienstag , 13 November 2018
Startseite » Ernährung » Vegetarische Ernährung: Vor- und Nachteile im Alltag
Vegetarische Ernährung: Vor- und Nachteile im Alltag

Vegetarische Ernährung: Vor- und Nachteile im Alltag

War man sich nicht vor einigen Jahren noch darüber einig, dass zum Muskelaufbau Protein nötig ist, dass sich vor allem in Fleisch und Fisch findet? Wer sich jetzt allerdings die Essens-Tipps für Fitnessbegeisterte ansieht, wird feststellen, dass eine vegetarische Ernährung einen ebenso großen Stellenwert einnimmt wie eine ‚klassische‘, auf Fleisch und Fisch basierende.

In den letzten Jahren lässt sich ein deutlicher Trend in Richtung pflanzenbasierter Ernährung beobachten, angestoßen nicht zuletzt durch eine wahre Welle verschiedener Fitnessratgeber. Das kann zunächst für Verwunderung sorgen. Doch wir betrachten das Ganze einmal aus einem anderen Blickwinkel.

Warum sollte man also darüber nachdenken, öfter auf Fleisch zu verzichten?

Viele geben als Grund für den Ernährungswechsel zunächst moralische beziehungsweise ethische Bedenken an – ein Tier für den eigenen Genuss zu töten wirkt ungerechtfertigt, wenn man seinen Bedarf genauso gut durch Gemüse, Früchte, Eier und Milchprodukte decken kann. Tatsächlich gehen manche noch einen Schritt weiter: Die Zahlen belegen, dass es immer mehr Veganer in Deutschland gibt, also Menschen, die konsequent nicht nur auf der Speisekarte, sondern auch im Haushalt auf alle Produkte tierischer Herkunft verzichten. So extrem muss der Alltag gar nicht aussehen. Wer etwas Gutes tun möchte, gleichzeitig aber einfach nicht sein Steak am Wochenende oder ein paar Würstchen beim Grillabend im Park hinter sich lassen kann, trägt schon durch den Umstieg von Massentierhaltung auf Produkte lokaler Herkunft, die beim Biobauern erzeugt wurden, viel zur Verbesserung des Tierwohls bei.

Doch auch ohne den Fokus auf das gute Gewissen hat eine vegetarische Ernährungsform durchaus ihre Vorteile: Groß angelegte Studien zeigen, dass ein durchschnittlicher Vegetarier nicht nur einen niedrigeren Body Mass Index – also ein niedrigeres Gewicht bei gleicher Körpergröße – hat als ein vergleichbarer Fleischesser, sondern auch von einem niedrigeren Krebs- und Herzkrankheitsrisiko profitiert. Das mag daran liegen, dass pflanzliche Speisen häufig eine geringere Kaloriendichte haben als Tierprodukte und auch bei der Zubereitung meist weniger Fett zum Einsatz kommt. Ein anderer Grund ist die Fitness-Bewusstheit der Studienteilnehmer: Viele Vegetarier achten auch außerhalb ihrer Ernährung auf einen aktiven und gesunden Lebensstil, sodass die verbesserten Werte gar nicht unbedingt allein auf den Verzicht auf Fleisch zurückzuführen sind. Auch Fleischesser können ähnlich gut abschneiden, tendenziell ist das nur etwas schwerer als bei einem pflanzlichen Speiseplan. Der Muskelaufbau dagegen kann durch den Konsum von Fleisch und Fisch erleichtert werden: Da die meisten pflanzlichen Lebensmittel eine deutlich geringere Proteindichte haben, muss man erheblich mehr davon essen, um den gleichen Bedarf zu decken. Kraftsportler sind so entweder auf Supplements angewiesen oder müssen ihre Speisekarte stark auf Soja, Tofu und Fleischersatzprodukte aus Weizeneiweiß ausrichten.

Unabhängig von tierrechtlichen Aspekten oder gesundheitlichen Überlegungen haben Vegetarismus und Veganismus unbestreitbare ökologische Vorteile. Da ganze 25% der aktuellen Treibhausgasemissionen auf die kommerzielle Nutztierhaltung zurückzuführen sind, würde das Streichen von Fleisch und Fisch vom Speiseplan die Atmosphäre um einiges entlasten. Kühe gehören dabei zu den größten Übeltätern: Nicht nur stoßen sie das Gas Methan in großen Mengen aus, auch werden bei ihrer Aufzucht viele tausende Liter Wasser pro Tier verschwendet. Darüber hinaus frisst eine Kuh rund zehn Mal so viel Soja, wie ein einzelner Mensch konsumieren würde. Sparte man sich die Kuhhaltung als Zwischenschritt, täte man nicht nur der Umwelt etwas Gutes, sondern würde auch das Problem der Nahrungsknappheit effizient in Angriff nehmen.

Artikel bewerten

Über Toni Ebert