Donnerstag , 22 August 2019
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Alternativen zur Zigarette: Der große Check auf Sozialverträglichkeit und mehr

Alternativen zur Zigarette: Der große Check auf Sozialverträglichkeit und mehr

Dass Rauchen nicht gesund ist, muss man im Jahr 2019 wohl für keinen Artikel, der sich um das Thema dreht, noch gesondert erwähnen. Allerdings hat auch jeder Erwachsene die Freiheit, das für sich selbst zu entscheiden.

Das einzige Problem daran: Mittlerweile wird diese Freiheit oft ziemlich herb beschnitten, auch jenseits des Gesetzes. Sich etwa draußen im Biergarten eine Kippe anzustecken, führt je nach Gästezahl und Ort bereits schnell dazu, dass einem jemand auf die Schulter tippt. Und in manchen Kreisen ist zumindest nicht das Rauchen, aber doch die Zigarette ein gewisser Standes-Fauxpas.

Kurzum: Die klassische „Fluppe“ steht unter scharfem Beschuss. Grund genug, sich im folgenden Artikel einige Alternativen anzuschauen und sie auf die wichtigsten Kritikpunkte der Zigarette hin abzuklopfen. Als Kriterien legen wir dafür folgendes an:

  1. Sozialverträglichkeit (Allgemeine gesellschaftliche Akzeptanz, Wahrscheinlichkeit des Risikos, dass sich jemand gestört fühlt)
  2. Benutzerfreundlichkeit (Nötiges Equipment, Schwierigkeitsgrad der allgemeinen Benutzung)
  3. Innenraumtauglichkeit (Wie gut lässt sich die Alternative in den Alltag zwischen Büro und fremdem Wohnzimmer integrieren?)

Alles natürlich von der Zigarette als Basiswert aus zu betrachten.

Die Pfeife

Zugegeben, natürlich ist auch die Pfeife ein klassisches Tabakrauchinstrument. Allerdings verhält sie sich zur Zigarette ungefähr wie ein lederner Ohrensessel sich zu einem Styroporkügelchen-befüllten Sitzsack verhält – beides Sitzmöbel, aber stilistisch meilenweit auseinander.

Edles Holz, meist ausgesuchte, aromatisierte Tabake und die Tatsache, dass man hier nicht auf Lunge raucht – die Pfeife ist eindeutig mehr Genuss- als Suchtmittel. Doch wie schlägt sie sich im Duell?

Sozialverträglichkeit: Hier bekommt die Pfeife gleich das erste dicke Minus. Denn obgleich es eine Tatsache ist, dass die Pfeife durch ihren edleren Habitus ein gewisses Image-Plus gegenüber der Zigarette hat, erzeugt sie doch nach wie vor ziemlich dicke Rauchwolken – zudem mag auch nicht jeder den Geruch. Alles in allem deshalb Gleichstand zur Kippe.

Benutzerfreundlichkeit: Das nächste Minus. Eine Pfeife muss sorgsam und aufwendig „eingeraucht“ werden. Zudem beschwören die meisten Aficionados, dass man eine einmal benutzte Pfeife vor dem nächsten Einsatz mindestens 24 Stunden ruhen lassen solle. Man braucht also mehrere Pfeifen, um über den Tag zu kommen. Die muss man ebenso mitführen wie das nötige Reinigungsbesteck – und neben dem etwas kniffligen „richtigen“ Stopfen ist die Pfeife hinterher auch ziemlich feucht von Spucke. Nicht wirklich benutzerfreundlich im schnellen Alltag.

Innenraumtauglichkeit: Es verwundert nicht, dass die Pfeife auch hier nicht überzeugen kann. Auch sie fällt unter sämtliche Rauchverbote. Ein echter Knackpunkt ist sogar, dass man sie unmöglich schnell zwischendurch rauchen kann. Selbst mit geringem Füllstand des Kopfes ist man schnell zehn Minuten beschäftigt. Also auch nichts für die Pause.

Endstand: Leider keine wirkliche Alternative. Zumindest jenseits des Feierabends im eigenen Zuhause.

Der Schnupftabak

Einst war er in Deutschland weitverbreitet, heute bekommt man ihn nur noch im gutsortierten Kiosk und in Tabakläden, der Schnupftabak. Dabei kann er schon einen Punkt jenseits unserer Bewertungskategorien machen: Wo nichts verbrannt wird, entstehen auch viele jener Stoffe nicht, die Zigaretten so gefährlich machen. Doch reicht das?

Sozialverträglichkeit: Ziemlich gut. Nichts raucht und aufgrund der Tatsache, dass Schnupftabak so selten geworden ist, haben viele Leute schlicht keine weitere Meinung dazu. Allerdings kann das Wegschnupfen eines Häufchens hellbraunen bis „blonden“ Tabaks vom Handrücken durchaus gewisse Assoziationen zu harten Drogen wecken. Insgesamt aber ein Punktesieg gegen die Kippen.

Benutzerfreundlichkeit: Ebenfalls ein Plus. Denn es braucht eben nur das feuerzeuggroße Döschen und einen Handrücken – okay, Taschentücher sind ebenfalls angebracht, gerade Anfänger werden durchs Schnupfen schnell zum Niesen angeregt. Aber da die Technik simpel ist, lässt sich Schnupftabak recht einfach nutzen.

Innentraumtauglichkeit: Ziemlich hoch. Und weil man seine „Dosis“ einfach schnell wegschnupft, ist man auch nur wenige Sekunden beschäftigt.

Endstand: Definitiv eine sinnvolle Alternative. Allerdings muss man sich durchaus daran gewöhnen, feinstes Tabakpulver durch die Nase zu ziehen.

Der Snus

Was den Bekanntheitsgrad anbelangt, dürfte Snus in Deutschland auf einem ziemlich niedrigen Level liegen. Dabei hat beides auch hier eine lange Geschichte, die allerdings schon vor vielen Jahren fast endete: Es handelt sich um Kautabak.

Allerdings ist moderner Snus etwas anderes. Wo man sich bei klassischem Kautabak, wie er auch heute noch in den USA ein Renner ist, losen, feingemahlenen Tabak in die Wange stopft (und entsprechend enormen Speichelfluss produziert), ist Snus portionsweise in kleine Säckchen, wie Mini-Teebeutel, verpackt. Die entnimmt man, klemmt sie zwischen Ober-/Unterlippe und Zahnfleisch und lässt es sich schmecken. Geschmack und Nikotin werden über viele Minuten hinweg abgegeben.

Doch was sagen die Kriterien dazu?

Sozialverträglichkeit: Traumhaft. Snus zu konsumieren liegt auf einem Level mit Kaugummi, eigentlich sogar noch höher, weil man nicht kaut und knatscht.  Im Gegensatz zu klassischem Kautabak braucht es auch keinen Spucknapf und hat auch keine Tabakkrümel in den Zähnen. Die Folge: Wer nicht sieht, dass man es in den Mund steckt, merkt garantiert nichts.

Benutzerfreundlichkeit: Ein weiterer Punkt für den Trend aus Skandinavien. Dose auf, Päckchen entnehmen, hinter die Lippe damit, fertig. Das dürfte an Einfachheit kaum zu überbieten sein.

Innenraumtauglichkeit: Ebenfalls ein Plus. Das stört nicht mal den schärfsten Rauchkritiker. Zudem braucht es nicht mal eine Raucherpause. Snus kann man problemlos am Schreibtisch konsumieren. Einziger kleiner Knackpunkt: Mit dem Säckchen im Mund trinkt es sich nicht gerade gut.

Endstand: Eine sehr sinnvolle Alternative, die es sogar noch vermag, den Schnupftabak zu übertrumpfen.

Die E-Zigarette

Aktuell stößt die E-Zigarette bzw. das Dampfen mit Macht in den Markt. Zu ihren Vorteilen jenseits unserer Kriterien gehört, dass hier gar kein Tabak im Spiel ist, es unzählige Geschmacksrichtungen gibt und das Dampfen eine starke Befürworter-Lobby in der Wissenschaftswelt hat. Aber reicht das?

Sozialverträglichkeit: Zwischen Theorie und Praxis klaffen oft Lücken. Hier zulasten der E-Zigarette. Auch wenn es nur Wasserdampf ist, der zudem nicht mal zwingend Nikotin enthält, werden Dampfer vielfach ähnlich benachteiligt wie normale Raucher. In Gaststätten ist es zwar rein gesetzlich erlaubt, allerdings zählt der Einzelfall – und der beschäftigt immer wieder die Gerichte.

Benutzerfreundlichkeit: Kein Ruhmesblatt für die E-Zigarette, zumindest für Anfänger. Man muss sich in die Thematik einlesen, muss zwischen Backen- und Lungendampfen unterscheiden, muss sich mit ohmschen Gesetzmäßigkeiten auseinandersetzen. Da hilft es nur wenig, dass man das Gerät, wenn man es verstanden hat, nur in den Mund stecken und eine Taste drücken muss.

Innenraumtauglichkeit: Etwas besser als bei der Zigarette, wobei es wie gesagt auf den Einzelfall ankommt. Ein großer Vorteil ist, dass das Dampfen beliebig lange dauern kann – bis hin zu zwei schnellen Zügen, die man sich am offenen Fenster gönnt. Großer Pluspunkt: Ungleich zum Tabakrauch bleibt nichts in Kleidern und Möbeln hängen, es ist eben nur Dampf.

Endstand: Eine mittelmäßige Alternative. Der große Vorteil liegt in der generellen Abwesenheit des Tabaks. Aber vor allem die Komplexität der meisten Geräte sowie das „Stigma“ verhindert mehr.

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